Prinzessin Coburgine  von Teresia Schmucker-Roth

Prinzessin Coburgine von Teresia Schmucker-Roth

kabarettistische Einlage von Teresia Schmucker-Roth, Mitglied der Schreibwerkstatt der vhs, vorgetragen im Rahmen von StadtLesen auf dem Albertsplatz am 31.05.2014

 

Moderator gibt mir das Mikro   (meine linke Hand steckt in der Dirndltasche)

ich: Verehrtes Publikum, Guten Tag. Ich freue mich sehr, dass … was

(ich schaue genervt nach links zu der Dirndltasche, dort bewegt was meinen Rock. Meine Hand kommt behandschuht vor und streckt sich prinzessinnenhaft nach oben)

ich: Ach Sie sind das Ihre Hoheit. Verehrtes Publikum, erlauben Sie mir, Ihnen Ihre Hoheit Prinzessin Coburgine vorzustellen.

(Prinzessin Coburgine verneigt sich und beginnt Sprechbewegungen zu machen.)

ich: Ist ja gut Ihre Hoheit, ich habe Sie verstanden. Sie wünschen, dass ich heute Ihre Sprecherin machen soll. Also dann … Bitte sehr. Das Publikum hat Verständnis, Sie repräsentieren heute ja zum ersten Mal.

(Prinzessin Coburgine steht neben dem Mikro und macht weiter Mundbewegungen)

ich: Prinzessin Coburgine möchte zunächst dem Coburger Erbprinzen Hubertus und seiner Gemahlin Kelly zur Geburt ihres Töchterchens gratulieren (kurze Pause) und Ihre Hoheit Prinzessin Coburgine möchte der Stadt Coburg gratulieren zu den 185  Prinzessinnen und 222 Prinzen, die in diesem Jahr in Coburg geboren worden sind. Prinzessin Katharina Victoria Elisabeth Cheryl.  (ich wende mich Prinzessin Coburgine zu und spreche zu ihr) Ach Herrjeh, das machen wir jetzt nicht, 407 Prinzessinnen- und Prinzennamen aufzusagen.

(Prinzessin Coburgine macht Sprechbewegungen)

ich: okay  (ich wende mich dem Publikum zu)  um der Gleichberechtigungwillen auch noch vier Jungennamen: Ben, Elias, Finn, Alexander.

(Prinzessin Coburgine macht Sprechbewegungen)

ich: sehr, wohl Prinzessin Coburgine.  Ihre Hoheit, Prinzessin Coburgine gratuliert allen Eltern zu ihrem Beitrag den Liebreiz des Coburger Landes zu verstärken.

(Prinzessin Coburgine macht Sprechbewegungen)

ich: Ihre Hoheit … sehr wohl Prinzessin.     

(Prinzessin Coburgine ist still.)

 ich: Prinzessin Coburgine möchte der Stadt Coburg, besonders den Stadträten und Stadträtinnen und dem fast zum Ehrenoberbürgemeister gewordenen Ex-Oberbürgermeister Herrn Norbert Kastner, und damit es keine beleidigten Leberwürschte gibt, auch Herrn Michael Stoschek und der HUK danken, für Ihre weise Voraussicht, mit der sie den Bratwurst - räucher – poly – krebserregungs-skandal vom Albertsplatz ferngehalten haben. Prinzessin Coburgine hat sich schon gleich gedacht, als die Coburger Bratwurstbude von hier verbannt worden ist, dass da mehr im Busch sein muss, als nur die Schickmachung des Albertsplatzes. Dann, beim Schlachthofskandal, ist sie sofort zur Vegetarierin geworden – mit nur einer Ausnahme: die Wienerle in der Bude vorm Kongresshaus.

(Ich wende mich Prinzessin Coburgine zu und spreche zu ihr)

ich: Ach herrjeh Prinzessin Coburgine, Sie können doch nicht den Coburgern von den Wienern schwärmen. (kurze Pause) Ihre Hoheit, finden Sie nicht, Sie haben schon genug gesagt. Immerhin haben Sie sich mehr oder weniger hier aufgedrängt. Das Eine, wollen Sie noch sagen? Also gut. Aber nur das Eine noch, sonst bleibt keine Zeit mehr für mein Gedicht.

(Prinzessin Coburgine macht aufgeregte Sprechbewegungen)

ich: Ach so, Ihre Hoheit, Prinzessin Coburgine meint in Coburg heißt das „mei Gedichtle“.

(ich wende mich von Prinzessin Coburgine ab und dem Publikum zu)

ich: Ach Gott - so wenig wie die Gleditschien hier auf dem Albertsplatz den Duft von Lindenbäume ersetzen können, werde ich es schaffen „mei Gedichtle“  coburgerisch vorzutragen. 

(Prinzessin Coburgine schmiegt sich an mich und macht Mundbewegungen)

ich: Danke, Ihre Hoheit. Also los, das Eine wollten Sie noch sagen.

(Prinzessin Coburgine steht erhobenen Hauptes und blickt ins Publikum)

ich: Ihre Hoheit, Prinzessin Coburgine lässt ausrichten, dass sie eine Bitte hat an die neuen Stadträtinnen und Stadträte, den neuen Herrn Oberbürgermeister Norbert Tessmer, den Michael Stoschek und die HUK: Bitte setzen Sie sich gemeinsam dafür ein, dass die Stadt Coburg die erste Stadt wird, die eine Hebammenschutzverordnung hat. Damit es weiterhin so gut klappt mit den Coburger Prinzessinen und Prinzen. Vielen durchlauchtigsten Dank.

(Prinzessin Coburgine verneigt sich vor dem Publikum) (Ich atme tief und schaue mich um.)

ich: Soll ich mein Gedicht jetzt doch noch vorsagen? (ich schaue mich um) Na gut. Aber erst bringe ich Prinzessin Coburgine weg, weil mit dem Repräsentieren scheint es zu sein, wie mit dem Sex: beim ersten Mal ist man zaghaft und dann kann man nicht genug davon kriegen. Also: Auf Wiedersehen Ihre Hoheit Prinzessin Coburgine.

(Prinzessin Coburgine verneigt sich und verschwindet wieder in meiner Rocktasche)


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