Rede der 4. Bürgermeisterin vor der Coburger Bratwurstinnung von Renate Wunderervon Heidi Fischer

Rede der 4. Bürgermeisterin vor der Coburger Bratwurstinnung von Renate Wunderer

Renate Wunderer, Mitglied der Schreibwerkstatt der vhs, vorgetragen im Rahmen von StadtLesen auf dem Albertsplatz am 31.05.2014

 

Man muss global denken,

meine lieben Coburger und Coburgerinnen,

das haben wir bewiesen mit der Europawahl, aber jetzt geht’s nicht  - wie der Obermeister der Fleischerinnung meint, um die  deutsche Wurstkultur, nein es geht um die Rettung der Coburger Bratwurst. Sie muss heute nicht nur am Weißwurstäquator verteidigt werden, nein gegen ganz Europa müssen wir die Grillgitter richten und Grenzen setzen. Wir schlucken nicht jede geschmacklose  Verordnung, die aus Brüssel kommt. Jetzt geht es um die Wurst. Wie wir zündeln, bestimmen noch immer wir. Einen guten Riecher haben unsere Vorfahren  bewiesen mit unserer heimischen Kiefer und ihren Zapfen. Seit Jahrhunderten ist unser Marktplatz erfüllt von ihrem Duft. Mit Feuer und Flamme, meine Bratwurschtlerinnen und Bratwurschtler, haben unsere Ahnen die Kiefer-Zapfen entfacht und ihre Extra-Wurst gebraten.  Die Tradition unserer Vorväter zu bewahren, ist unser Auftrag. Wir lassen uns nicht für ein Butterbrot verkaufen. Wer heute auf dem Markt bestehen will, dem darf ein Coburger Bratwurststand nicht wurscht sein. Ein Marktstand steht und fällt mir seinem Budenzauber, den wir uns nicht von der EU verbieten lassen.

Wenn wir aber mehr als einen Wurstzipfel erhaschen wollen, liebe Freundinnen und Freunde der Kühle, müssen wir uns verwurschteln mit unseren Nachbarn. Niemand kann es sich heute leisten, die beleidigte Leberwurst zu spielen. Wenn wir Coburger auch die Größten und Besten sind, können wir die Nürnberger Würstchen nicht einfach ignorieren. Wir müssen über den Tellerrand hinausblicken. Ja, ich gehe sogar so weit - auch die Thüringer und – sogar – die Neustadter müssen ihren Senf dazu geben. Wir müssen auch sie auf den neuesten Stand bringen. Nur im Gewurschtel mit  den Bratwürsten aus allen fränkischen Zonen, können wir unseren eigenen Markt erschließen. Nur wenn wir gemeinsam der EU auf die Bude rücken, können auch wir uns ins Zukunft eine Wurstscheibe abschneiden.

So lasst uns in die Bratwurst beißen mit der Glut unserer Kiefer,  damit wir auch morgen noch – fröhlich unseren Grill anwerfen können.


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