Oliver Schmidt, Redakteur der Frankfurter Neuen Presse

Oliver Schmidt, Redakteur der Frankfurter Neuen Presse

Mein Coburg...

Oft ist es ein Blick in den Kühlschrank, der mir zeigt, dass es mal wieder an der Zeit ist, nach Coburg zu fahren. In "mein Coburg". Ja, das ist es immer noch - auch wenn ich die Vestestadt vor inzwischen fast vier Jahren aus beruflichen Gründen verlassen habe.

Ob ich erst durch den Wegzug gemerkt habe, wie sehr mir meine Heimatstadt am Herzen liegt? Nein, ich war auch schon vorher Fan von einem Bummel durch die Spit, einem Spaziergang durch den Hofgarten oder einer Radtour durch den Callenberger Forst. Was ich allerdings wirklich erst jetzt - dank der Möglichkeit des Vergleichens - zu schätzen weiß, ist die ganz besondere Begeisterungsfähigkeit der Menschen, die in Coburg leben. Motto: Eine kleine Stadt stellt Sachen auf die Beine, von denen viele größere Städte nur träumen können. Ich meine damit aber nicht nur die Highlights wie Samba-Fest oder Schlossplatz-Open-Airs. Es sind die zahlreichen kleinen und mittleren Aktionen, die ich so bewundere. Da rollt die Etappe eines Fahrradrennens durch die Stadt, und halb Coburg steht am Straßenrand. Da gelingt es, kurzfristig eine Großleinwand auf dem Marktplatz aufzustellen, um das WM-Endspiel mit Deutschland zu übertragen, und ganz Coburg ist im Fußballfieber. Da lassen Design-Studenten ihre Fantasie spielen, und selbst ältere Coburger steigen plötzlich begeistert in dunkle Berghallen herab. Oder, noch ein ebenso simples wie schönes Beispiel: Da werden irgendwo 10 Biertische und eine Bratwurstbude aufgestellt, und die Coburger feiern gemeinsam los.

Apropos: Der Blick in den Kühlschrank zeigt mir, dass mein Vorrat an vakuum verpackten tiefgefrorenen Coburger Bratwürsten (gibt’s bei Spielmann!) leider schon wieder aufgebraucht ist. Ach, was heißt "leider"? Dann gibt es jetzt eben noch einen Grund mehr, endlich wieder nach Coburg zu fahren.

Oliver Schmidt


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