„Ans Licht gebracht“ – Städtische Sammlungen und  Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. präsentieren Coburger Geschichte

„Ans Licht gebracht“ – Städtische Sammlungen und Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. präsentieren Coburger Geschichte

„Ans Licht gebracht“ – Städtische Sammlungen und  Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. präsentieren Coburger Geschichte

Über 11.000 Exponate umfassen die Städtischen Sammlungen Coburg (SSC), die sich im Besitz der Stadt Coburg befinden, aktuell. Der Bestand der Sammlung geht auf das alte Stadtmuseum, das 1905 gegründet wurde und seit 1931 unter der Bezeichnung „Städtisches Heimatmuseum“ bis in das Jahr 1943 existierte.

Der Bestand umfasst Exponate aus den unterschiedlichsten Epochen der Coburger Geschichte und zu den verschiedensten Themenfeldern. Die Bereiche Archäologie, Residenz, Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft, Alltagskultur, Architektur sowie Kunst und Kultur sind dabei einige Schwerpunkte.

Die Hauptaufgabe der SSC besteht darin, Kunst- und Kulturerzeugnisse der Stadt Coburg und deren Umland zu sammeln, zu bewahren und nach Möglichkeit der Öffentlichkeit zu präsentieren und zugänglich zu machen. „Dies ist allerdings in den beengten Depoträumen in der Uferstraße und der Rodacher Straße kaum möglich. Deshalb wollen wir zumindest einige Ausstellungsstücke in der nächsten Zeit zurück ans Licht bringen – so kam die Initiative Stadtmuseum letztendlich auch zum Namen des Projektes“, sagt Johanna Rosenzweig, die sich als Kulturmanagerin der Stadt auch kommissarisch um die Städtischen Sammlungen kümmert.

Ab November 2017 präsentieren die SSC in Zusammenarbeit mit dem Verein Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. in regelmäßigen Abständen einige der interessantesten Objekte mit Bild und Text in den örtlichen Tageszeitungen und auf www.coburg.de unter dem Titel „Ans Licht gebracht“. Bei passender Größe wird das jeweilige Exponat auch im Coburger Puppenmuseum zu betrachten sein.

Beispielgebend präsentieren die SSC und die Initiative Stadtmuseum schon vorab ein Gemälde von Carl Sauerbrey (1877-1967), das sich – passend zum 50. Jubiläum der Stadtbücherei in der Herrngasse – mit dem dortigen Gebäude befasst (im Anhang).

 

C. Sauerbrey: Herrngasse 17, Treppenturm im Hinterhof:

Dieses Aquarell von Carl Sauerbrey entstand vermutlich vor 1947 und ist Teil der Städtischen Sammlungen Coburg (SSC). Es zeigt den Innenhof des Hauses Herrngasse 17, mit Blick auf das Vorderhaus, das damals ein Wohn- und Geschäftshaus war; heute ist in diesem komplett entkernten Gebäude die Stadtbücherei Coburg untergebracht. Ebenfalls in den SSC befindet sich das Pendant zu diesem Bild des gleichen Malers, das den Hinterhof aus der entgegengesetzten Blickrichtung zeigt. Carl Anton Sauerbrey (1877-1967), der sich auch Karl schrieb, war Theatermaler in Coburg. Gebürtig aus Großwalbur, lebte er von 1908 bis zu seinem Tode 1967 in Coburg im Steinweglein.

Der titelgebende Treppenturm - in den unteren Teilen aus Stein errichtet und gekrönt von einer achteckigen Holzkonstruktion - ist aus der Bauzeit des Gebäudes erhalten geblieben und wurde, als das Aquarell entstand, noch benutzt. Erbaut wurde das Gebäude vermutlich 1591 vom Steinmetz Michael Frey – so meinen jedenfalls Peter Morsbach und Otto Titz. Die Wappen oberhalb des Portals weisen nach Hubert Fromm auf den Bauherrn Thomas Moll, einen Landeshauptmann aus Römhild, und dessen Gemahlin hin. Noch 1906 beschreiben Paul Lehfeldt und Georg Voss das Haus als „das am besten erhaltene Privatgebäude unter den Renaissance-Häusern Coburgs“. Doch spätestens nach dem Ersten Weltkrieg gibt es Klagen über den schlechten baulichen Zustand; die Stadt erwirbt das Gebäude mit Hilfe der Niederfüllbacher Stiftung und plant einen Umbau, in dem sowohl das Heimatmuseum wie auch der Kunstverein untergebracht werden sollte. Wirtschaftskrise und Inflation machten diese Pläne zunichte; 1930 wurden die baufälligen Gebäude im Hof abgerissen. Auch während der NS-Herrschaft gab es keine Verbesserungen – nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Wohnungen als Notwohnungen genutzt. Der Zustand des Hauses wurde zum öffentlich diskutierten Thema – ab 1959 konnte es wegen akuter Baufälligkeit nicht mehr bewohnt werden. Der Stadtrat diskutierte schon 1958 darüber, und doch dauerte es bis 1965, bis die Bauarbeiten beginnen konnten. Entstehen sollte weder ein Heimatmuseum, noch das „Gästehaus“, das sich Oberbürgermeister Walter Langer gewünscht hatte, stattdessen erhielt die Stadtbücherei, die bis dahin in einem Rückgebäude des Palais Edinburgh untergebracht war, endlich ein angemessenes Domizil für ihre geplanten 40.000 Bücher. Vom alten Gebäude blieb nur die schöne Renaissance-Fassade übrig – dahinter entstand ein für die damaligen Verhältnisse großzügiger funktionaler Bau, in dem auch noch die verbliebenen Bestände der „Amerika-Bibliothek“ aus dem „Amerikahaus Coburg“, das ebenfalls im Palais Edinburgh untergebracht war, Platz fanden. Vor 50 Jahren, am 6. Juli 1967, fand nach zweijähriger Bauzeit die feierliche Eröffnung statt.

Brigitte Maisch

Infoteil:

Carl Sauerbrey: Herrngasse 17, Treppenturm im Hinterhof

Städtische Sammlungen Coburg; Signatur: SMC 2215

Bildgröße: 23x31 cm, hinter Glas gerahmt; vor 1947.

Benutzte Quellen:

- Stadt Coburg (Hrsg.): Denkmäler in Bayern: Ensembles, Baudenkmäler, Archäologische Denkmäler, München 2006, S. 115

- Stadtbücherei Coburg (Hrsg.): Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum der Stadtbücherei in der Herrngasse, Coburg1992, S. 11

- Cyriaci, Ernst: Häusergeschichte der Stadt Coburg bis 1937. Coburg 1945 – 1948, S. 168 f. 

- Lehfeldt, Paul; Voss, Georg: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens von Lehfeldt/ Voss: Coburg: Stadt und Veste, Stuttgart 1906, S. 334


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