Rückerts Wahlheimat Coburg/Neuses

Coburg stellt die wichtigste Station im Leben des Dichters/Orientalisten Friedrich Rückert dar. In Coburg, der Stadt in der Mitte Deutschlands, in der nach seinen Worten „alle Strömungen aller Kulturen zusammenfließen“, lebte Rückert, wenn auch durch seine Lehrtätigkeit in Erlangen (1826-1841)  und Berlin (1841-1848) zeitlich kürzer und länger unterbrochen,  ab  1820 bis zu seinem Lebensende (1866).

In Coburg fühlte er sich am meisten zu Hause, denn das Lehren vom Katheder liebte Rückert nicht . (Annemarie Schimmel) Seine Wertschätzung Coburgs brachte er in vielen Versen zum Ausdruck:

Ich preise laut die Stadt,
die nicht zwar mich geboren,
Und doch zum Bürger hat
In Ehren mich erkoren .

Während seiner „Berliner Jahre“ lebte Rückert mehr auf dem von seinem Schwiegervater erworbenen Gut in Neuses als in Berlin. ...  Neuses wurde sein eigentliches Zuhause, wohin er sich für immer längere Perioden zurückzog. (dto.).

Neuer Sitz im alten Coburg,
Mir im Herbst ein neuer Lenz,
Meine kleine Freudenfrohburg,
Ehrenburg und Residenz!
Dessen Schatten ein Vertrauter
Meiner Einsamkeiten sprießt,
Wo die Lauter hell und lauter
Meinem Zaun vorüberfließt.

In seinem Gedicht „Abschied von Neuses“ wird seine Verbundenheit zu seinem Coburger Domizil spürbar.


Im Alter von sechzig Jahren kehrte Rückert ganz aus Berlin zurück, um sich nur noch im geliebten Neuses und in der näheren Umgebung aufzuhalten. Es war dies aber kein „Schmollwinkel“, wie manche Kritiker meinten –  nein, der Dichter/Orientalist Rückert schuf ununterbrochen neue Werke (dto.).

Die Bedeutung und die Persönlichkeit des Franken Rückerts und seine erstaunliche Karriere in  der Deutschen Geistesgeschichte kennzeichnet  Annemarie Schimmel  ebenfalls zutreffend: Die Gestalt Friedrich Rückerts ist einmalig in der deutschen, ja der europäischen (Geistes-)Geschichte, und die Stadt Coburg und ihre Umgebung sind Schauplatz entscheidender Perioden dieses Mannes gewesen. Rückerts Leben entfaltet sich in unauflöslich einander durchdringendem Ringen, er war vorbildlicher Familienvater, großer Naturfreund, leidenschaftlicher Patriot, tiefschürfender Philologe, und all dies ist eingebunden in seiner Poesie, die jede Stimmung, jedes Ereignis verzeichnet und als großer, buntgestrickter Teppich wirkt, in dem die Farben des Orients und der fränkischen Heimat, indischen Dschungels und deutscher Politik, inniger Familienliebe, und lockender persischer Rosengärten „ein Großes, Allgemeines“ bilden, das Zeugnis ablegt von Rückerts unwandelbarer Überzeugung:


„Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“


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